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Die Exlibris-Sammlung im Gutenberg-Museum

Daniel Chodowiecki (1726-1801): Exlibris Daniel Chodowiecki ; Radierung ; 73*56 mm (beschnitten) ; unsigniert; um 1777.
Daniel Chodowiecki (1726-1801): Exlibris Daniel Chodowiecki ; Radierung ; 73*56 mm (beschnitten) ; unsigniert; um 1777.

Seit mehr als fünfhundert Jahren, fast so lange, wie Bücher gedruckt werden, gibt es Exlibris (Bucheigner-Zeichen)  : kleine graphische Blätter, die in größerer Zahl gedruckt werden können, um – in Büchern eingeklebt - das Eigentumsrecht an einzelnen Büchern oder ganzen Bibliotheken in sehr ästhetischer Weise deutlich zu machen.
Besitzerstolz, Kunstsinn und die Urangst des Bücherfreundes, seine Schätze durch Diebstahl oder bei einer Ausleihe zu verlieren, standen Pate. Der harmonische Zusammenklang von Bild und Schrift macht den Reiz dieser Blätter aus. Der lateinische Ausdruck „ex libris“ („aus den Büchern“ oder „aus der Bücherei von...“), der meist dem Eignernamen voran steht, hat der ganzen kleingraphischen Gattung den Namen gegeben. Daneben gibt es auch Donatoren-Exlibris, die nicht den/die Besitzer/in nennen, sondern in einem geschenkten Buch an den/die Geber/in erinnern.

Aufgeschlagenes Buch mit Exlibris im Vorderdeckel.
Aufgeschlagenes Buch mit Exlibris im Vorderdeckel.

Traditioneller Platz des Exlibris ist die Innenseite des vorderen Buch-Einbanddeckels. Die ältesten Beispiele stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts aus dem deutschsprachigen Raum. Im Laufe des 16. Jahrhunderts begünstigten Humanismus und Reformation die Verbreitung des Buches und damit des Exlibris in ganz Europa. Die frühen Exlibris zeigten die Wappen der wohlhabenden Besitzer. Bald schon kamen neue Motive hinzu: Im Barock  wurden allegorische und symbolbeladene Darstellungen, Porträts und detailgenaue Wiedergaben von Bibliotheks-Innenräumen besonders beliebt. Das Rokoko bescherte Muschelwerk-Ornamente, Putten, Blumen- und Fruchtgebinde. Im krassen Gegensatz dazu standen wenig später klassizistisch-strenge Signete oder bloße Namenszüge.

Die Geschichte des Exlibris ist Kunst-Geschichte im Kleinformat: Um 1500 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts erlebte die Exlibriskunst eine erste Blüte. Dürer, Holbein, Beham, Cranach, Amman schufen auch solche Kleingraphiken. Im Barock ragten die Schöpfungen von Chodowiecki, Meil und Nilson heraus. Nach einem Absinken in die Bedeutungslosigkeit brachte das 19. Jahrhundert neue, Aufsehen erregende Arbeiten der englischen Präraffaeliten. Die „goldene Zeit“ der Exlibriskunst brachten dann Klassizismus und Jugendstil in den Jahren zwischen 1890 und 1925, vor allem im deutschsprachigen Raum. Man schätzt, dass allein in dieser Zeit an die 100 000 Exlibris entstanden sind.

Schwärmerische Besinnung auf das heimische Mittelalter und handwerkliche Traditionen, Hurra-Patriotismus und das neue Selbstbewußtsein des Bildungs-Bürgertums der Gründerzeit gaben der Heraldik neuen Schwung, das Exlibris zog schnell nach: Unmengen von Wappen-Exlibris entstanden, die herausragenden Künstler waren Hupp, Doepler d. J., Rheude, Otto oder Hildebrandt.

Durch die individuellen Wünsche der EignerInnen und die persönliche Handschrift der KünstlerInnen weiteten sich die Motive rasch auf alle nur erdenklichen Bereiche aus: Liebe und Tod, Erotik und Humor, Landschaft, Stilleben, Mensch und Tier, Natur und Architektur, Beruf, Hobby und Weltanschauung finden sich seither in den kleinen Blättern. Auch „redende“ (den Namen des Eigners/der Eignerin illustrierende) Exlibris entstanden in großer Zahl, ebenso fanden und finden rein typographisch gestaltete Exlibris ihre AbnehmerInnen. Neben reinen „Gebrauchs-Exlibris“ entstanden seither immer mehr „Luxus-Exlibris“ als begehrte Sammel- und Tausch-Objekte. Namhafte Künstler wie Bayros, Behmer, Fingesten, Orlik, Geiger, Klinger, Ubbelohde, Vogeler, Kubin gaben dem Exlibris neuen Auftrieb.

Alle druckgraphischen Möglichkeiten und Vervielfältigungsarten– vom Holzschnitt und –stich über Kupferstich, Radierung, Lithographie und Lichtdruck bis hin zu Klischee, Offset und neuerdings auch Computersatz – wurden/werden dem Exlibris dienstbar gemacht.

Bis heute hat die „Faszination Exlibris“ nichts von ihrem Zauber eingebüßt. Nationale und internationale Sammler-Vereinigungen kümmern sich um Pflege und Förderung der Exlibris-Kunst. In Deutschland ist die 1891 gegründete Deutsche Exlibris Gesellschaft (DEG) seit 1949 wieder zentrale Anlaufstelle (Homepage-Adresse: [Exlibris-Gesellschaft  ]; Geschäftsstelle der DEG: Birgit Göbel-Stiegler M.A., Joachim-Karnatz-Allee 19, D-10557 Berlin, Tel. 030/20 67 19 90, E-Mail: birgit.goebel(at)t-online.de).

Exlibris geben die Möglichkeit, auf verhältnismäßig einfache Weise im Laufe der Zeit eine ansehnliche kleingraphische Sammlung zusammen zu tragen, dabei mit –Besitzern und –Künstlern in aller Welt in Kontakt zu kommen und Freunde/Innen zu finden. Der Wert einer Sammlung wird bestimmt von Alter, Techniken und künstlerischer Qualität der Blätter. Bedeutende öffentliche Sammlungen mit Nachlässen bekannter Sammler finden sich im British Museum London, im Gutenberg-Museum Mainz, in der Bayerischen Staatsbibliothek München, im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und in der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, das Frederikshavn Kunstmuseum besitzt eine beachtliche Sammlung vorwiegend moderner Exlibris. Die eifrigsten Privatsammler horten Sammlungen von über 100.000 Blättern, im Guiness Buch der Rekorde steht der italienische Sammler Mario De Filippis mit noch weitaus mehr Exlibris.

Verfasser: Dr. Elke Schutt-Kehm


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Kontakt

Dr. Elke Schutt-Kehm
Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Exlibris
Tel:06131/12-24 22
Fax:06131/12-34 88

dr.elke.schutt-kehm(at)stadt.mainz.de


 
 
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